Intensives Jugendforum mit 250 Jugendlichen und Prof. Hendrik Streeck
Professor Dr. Hendrik Streeck ist Mediziner, Bundestagsabeordneter für Bonn und der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen. Wer wäre besser geeignet, das „Suchtpotential Sozialer Medien“ im Dialog mit Jugendlichen in der fünften Ausgabe unseres Jugendforums #WasTreibtMichAn aufzugreifen! So geschehen am 30. Juni 2026 mit rund 250 Schülerinnen und Schülern des Aloisiuskollegs, des Amos-Comenius-Gymnasiums und des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums.
„Unser Format lebt von einer lebendigen Diskussion auf Augenhöhe“, machte der Vorstandsvorsitzende Dr. Hanns-Christoph Eiden in seiner Begrüßung deutlich. Dazu gehöre, dass „der Austausch immer weitgehend von je zwei Schülerinnen und Schülern aus den drei teilnehmenden Schulen vorbereitet wird.“
Diese sechs Jugendlichen teilten das Podium mit Hendrik Streeck, der eine ernüchternde Tatsache nannte: „Jedes vierte Kind in Deutschland zeigt laut aktuellen Studien ein riskantes Medienverhalten. Das sind 1,3 Millionen Betroffene.“ Außerdem wies er darauf hin, dass Kinder und Jugendliche die einzigen Altersgruppen seien, in denen die digitale Mediennutzung nach der Pandemie nicht wieder zurückgegangen sei.
Warum funktioniert die Suchtgefahr sozialer Medien überhaupt? „Unser Gehirn reagiert nicht nur auf Belohnung, sondern schon auf die Möglichkeit von Belohnung“, so Hendrik Streeck. Diese Medien und ihre Algorithmen seien „unfair, denn wir werden hineingezogen und kommen nicht wieder raus.“ Haben wir in Deutschland dafür keine Regeln? Doch, erklärte Hendrik Streeck. „Aber wir haben ein Durchsetzungsproblem im digitalen Raum.“
Was passiert konkret mit den jugendlichen Social-Media-Süchtigen? Sie entfernen sich vom wirklichen Leben, beschneiden sich immer weiter, um genügend Zeit online zu haben. Vor allem aber: Es bleibe oft nicht bei der Mediensucht, machte Hendrik Streeck deutlich. Kaufsucht, Pornosucht, Spielsucht, der Erwerb und Konsum von illegalen Drogen und Medikamenten können folgen und verheerende Auswirkungen haben.
Was ist zu tun? „Ich setze mich dafür ein, dass Anbieter stärker in die Verantwortung genommen werden – mit sicheren Voreinstellungen, wirksamen Altersprüfungen und digitalen Angeboten, die von Anfang an auf den Schutz junger Nutzerinnen und Nutzer ausgelegt sind“, erklärte Henrik Streeck. Ein großes Problem sei zudem, dass es keine Angabe über die bundesweite Anzahl von Therapie- und Rehaplätzen für Jugendliche gibt. „Auch daran arbeite ich.“ Und gab noch einen Einblick ins Leben als Koalitionär: „Ich hätte gerne das Fach Gesundheits- und Medienkompetenz für die Schulen gehabt, was aber nicht gelang.“
Einfache Lösungen gibt es bei diesem komplexen Thema nicht, so das klare Fazit der lebhaften Diskussion. Es bedarf – neben den staatlichen Aufgaben – einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung, die die Eigenverantwortung stärkt und vor allem auch die Familien einbezieht. Denn im Grunde ist vieles eine Erziehungsfrage.
Ein großes Dankeschön Prof. Hendrik Streeck, allen Schülerinnen und Schülern sowie ihren Lehrkräften für diesen intensiven und aufschlussreichen Nachmittag.












