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„Von Kaiser Wilhelm II. bis Angela Merkel“

Hotelier Fritz Dreesen in der Jubiläumsausgabe des Erzählcafés

„Von Kaiser Wilhelm bis Angela Merkel" – so umriss Fritz Dreesen, in vierter Generation Hotelier, im Erzählcafé am 13. August 2026 die lange Tradition des Rheinhotels Dreesen. „Das Weiße Haus am Rhein“, wie ein ARD-Zweiteiler aus dem Jahr 2021 das Hotel betitelte, hat eine fast 150-jährige Geschichte. 

Ab den 1880er Jahren baute Fritz Dreesens Urgroßvater eine Sommerwirtschaft um und aus, denn der Rhein war ein beliebtes touristisches Ziel geworden. Das Hotel wurde mehr und mehr ein Ort für die Prominenz. Zu den Gästen gehörten: Kronprinz Wilhelm, die Reichspräsidenten Ebert und von Hindenburg, Charlie Chaplin, Hans Albers, Greta Garbo, Hildegard Knef. 1926 trägt sich Adolf Hitler als „staatenloser Schriftsteller" ein, er war auf Empfehlung von Rudolf Hess über die Jahre häufiger Gast. 

Besondere Ereignisse im Rheinhotel waren: 

  • 1938 Verhandlungen zur Sudentenfrage mit britischem Premier Chamberlain
  • 1939 Beschlagnahmung durch deutsche Streitkräfte, Sitz des Armeeoberkommandos, Fortführung Hotelbetrieb, Unterkunft für Diplomaten, ab 1944 für französische Offiziere
  • 1945 Quartier für amerikanischen Oberkommandierenden Eisenhower, Naherholungsheim für französische und englische Gäste
  • 1946 Flüchtlingsunterkunft
  • 1949 Bonn wird Bundeshauptstadt, Hotelumbau, 110 neue Büroräume, genutzt durch französischen Hochkommissar, Konrad Adenauer trifft sich mit Diplomaten 
  • Ab 1952 wieder reiner Hotelbetrieb. Das Vier-Sterne-Hotel wird zum „Wohnzimmer der Republik“.

Der Regierungsumzug nach Berlin bedeutet eine Zäsur: keine Diplomaten mehr, keine Künstler, keine Sportler, weniger Gäste. Eine erfolgreiche Mischung aus Tourismus und Tagungen trägt das Hotel seitdem, inklusive Biergarten mit Blick auf den Rhein und das Siebengebirge. 

In der Fragerunde kamen weitere Punkte zur Sprache: Fritz Dreesen war mehr als 50 Jahre im „Geschäft". Vor vier Jahren hat er Teile des operativen Geschäfts in jüngere Hände gelegt, ist aber mit 79 Jahren noch jeden Tag vor Ort. Bald wird seine Tochter Anna Maria, die derzeit noch in Amerika tätig ist, das Hotel übernehmen. Für ihn war es nie ein Thema, das Hotel an eine Kette zu verkaufen, es sollte stets inhabergeführt bleiben.

Zur Verfügbarkeit von Personal erklärte der Hotelier, dass es immer mal wieder Engpässe gäbe, aber es seien noch genügend Arbeitskräfte da. Die Mitarbeiter wüssten, dass sie nicht im Stich gelassen würden. So wurden sie z.B. während der Pandemie weiterbeschäftigt und bezahlt. 

Der spannende Nachmittag war gleichzeitig ein Jubiläum: Christine Kiderlin erinnerte an den Start des Erzählcafés im August 2023. Seitdem gab es 30 Termine zu unterschiedlichsten Themen mit sehr interessanten Referentinnen und Referenten. Fast 800 Besucherinnen und Besucher waren zu Gast und verbrachten anregende Stunden. 30-mal hat das ehrenamtliche Team das Café organisiert, das Programm erstellt, Vortragende angefragt, Themen überlegt, Tische gedeckt und 90 Kuchen gebacken. Wir danken allen, die hierzu beigetragen haben.

Foto: Georg vom Kolke