Johannes Graf von Nesselrode gab spannende Einblicke in den Familienbetrieb
Die traditionsreiche Nesselrode’sche Forstverwaltung, zwischen Euskirchen und Mechernich gelegen, arbeitet bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert nach den Grundsätzen der „Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft“. Was dies bedeutet und wie ein moderner Forstbetrieb heute handeln muss, berichtete Johannes Graf von Nesselrode in unserem Erzählcafé.
Viele gesellschaftliche Erwartungen seien mit dem Wald verbunden, der gleichzeitig wichtige Funktionen erfülle: Wasserspeicher, CO2-Speicher, Rohstofflieferant, Erholungsort. Diese Interessen stünden heute oft in Konkurrenz zueinander. Das 2015 erschienene Buch „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben habe die Diskussionen deutlich verstärkt. Und: „Spätestens seit den Dürrejahren nach 2018 ist klar, dass der Klimawandel im deutschen Wald angekommen ist“, erklärte von Nesselrode.
Dem Wald geht es also schlecht. Aber der Verzicht auf die forstliche Nutzung sei nicht die Lösung. „Vielmehr ist die Gewinnung des Rohstoffes Holz notwendig, um unsere Wälder zu stabilisieren“, so von Nesselrode. Gleichzeitig sei es wichtig, Mischwald anzupflanzen, auf Kahlschläge zu verzichten sowie bodenpflegliche Bewirtschaftungsverfahren anzuwenden. Außerdem müsse die Diversität im Unterbau des Waldes beachtet werden – sowohl nach Altersklassen als auch nach Baumarten.
Von Nesselrode machte die zeitlichen Dimensionen deutlich, um die es beim Wald geht: Man muss etwa 80 Jahre warten, bis man das Holz fällen und verwerten kann, d.h. man arbeitet immer für die nächsten Generationen und muss nachhaltig wirtschaften: „Als Waldbesitzer und Forstwirt braucht man einen guten Großvater und man sollte ein guter Großvater sein.“
