Die wechselvolle Geschichte des Kur- und Badeorts Bad Godesberg
Eine spannende historische Reise unternahm Dr. Iris Henseler-Unger, 1. Vorsitzende des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V., am 12. März 2026 in unserem Erzählcafé. Unter dem Titel „Kur- und Badeort Bad Godesberg – von der kurfürstlichen Zeit bis heute“ erschloss sie den interessierten Gästen, auch mithilfe historischer Fotos und Zeichnungen, die wechselhafte Geschichte des Stadtbezirks.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde Godesberg ein aufstrebender Kur- und Badeort, und viele Gäste kamen wegen der Trinkkuren. Denn unter Kurfürst Max Franz war ein Gutachten erstellt worden, das dem angelegten Trinkbrunnen des Draitschbachs eine geeignete Wasserqualität bescheinigte: säuerlich, prickelnd wie Champagner, Heilwirkung bei einem breiten Spektrum von Krankheiten. Später wurde der Brunnen von der Gemeinde übernommen und neu gebohrt.
Im Zuge der Rheinromantik profitierte Godesberg bis zum 1. Weltkrieg ebenfalls: 1907 zählte man 3170 Kurgäste. Die Häuser der kurfürstlichen Zeile wurden zusammengelegt als Logierhäuser und zum Kurfürstenbad. In den frühen 1920er Jahren war Bad Godesberg französisch besetzt. Niemand ging hier mehr zur Kur, und reiche Godesberger verarmten. 1926 erlaubte ein Erlass des preußischen Innenministers, den Namen „Bad Godesberg“ zu führen. Ein leichter Aufschwung folgte, und die Redoute wurde zum Kursaal.
Doch der Neubeginn des Kurbetriebs nach 1945 gelang nicht. Stattdessen gab es eine Bedeutungsverschiebung vom Bad hin zur Diplomatenstadt, wobei das Heilwasser weiterhin vorhanden war. Nach der Anbohrung der Kurfürstenquelle 1962 und dem Bau des Trinkpavillons darf es aus Draitsch- und Kurfürstenquelle seit 1990 privat verkauft werden. Dieses Angebot findet bis heute eine gute Nachfrage.
Das Kurfürstenbad ist inzwischen abgerissen. Der Neubau soll bis 2028 realisiert werden; dann auch mit Kur-Anwendungen. Dieses Thema sorgte im Erzählcafé für lebhafte Diskussionen. Fürs Jubiläum „100 Jahre Bad Godesberg“, das am 5. September zwischen Brunnenallee und Kurpark gefeiert werden wird, kommt das neue Bad aber zu spät.
Wir danken Dr. Iris Henseler-Unger für diese faszinierende Spurensuche und ihren lebendigen Vortrag. Ebenso ein großes Dankeschön an alle Ehrenamtlichen, die vor und hinter den Kulissen für einen schönen Nachmittag sorgten.




