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Ein Nachmittag zwischen Erde und Weltraum

Erzählcafé mit ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti

Ein außergewöhnlicher Gast beim Erzählcafé am 17. September 2026: Samantha Cristoforetti, Astronautin der European Space Agency (ESA), begeisterte knapp 30 Gäste mit persönlichen Einblicken in ihre beiden Weltraummissionen und spannenden Ausblicken auf die Zukunft der europäischen Raumfahrt.

Die frühere Kampfpilotin der italienischen Luftwaffe war die erste Italienerin im Weltraum. Nach ihrer Schulausbildung in Bozen und Trient studierte sie in München, Toulouse und Moskau Maschinenbau und Raumfahrt. Samantha Cristoforetti spricht sechs Sprachen und lebt mit ihrer Familie in Bad Godesberg. 

2009 wurde sie aus 8.400 Bewerbern als einzige Frau unter sechs neuen Astronauten ausgewählt. Es folgten intensives Training und die Ausbildung als Flugingenieurin des Sojus-Raumschiffs. Anschaulich und mit beeindruckenden Fotos berichtete sie von ihrer ersten Mission 2014 und mehr als 300 Tagen auf der Internationalen Raumstation ISS. 

2022 dann die zweite Mission als erste Europäerin Kommandantin der Raumstation und dabei auch ihr erster Weltraumspaziergang, bei dem sie mehr als acht Stunden außerhalb der ISS verbrachte; „ein unglaubliches Erlebnis“. Sie habe ihr ganzes Leben davon geträumt, in den Weltraum zu kommen, jahrelang dafür trainiert und sei unendlich froh gewesen, den wunderschönen Blick auf die Erde aus der Kuppel der ISS selbst zu erleben.

Die ISS fliegt mit 28.000 km/h um die Erde, eine Erdumrundung dauert 1,5 Stunden und man erlebt jeweils Sonnenauf- und Sonnenuntergänge. Samantha Cristoforetti schilderte den Alltag in der Schwerelosigkeit als „immer im Zustand des freien Falls“ und erläuterte die intensive, abgestimmte wissenschaftliche Arbeit an Bord sowie die besonderen körperlichen Herausforderungen. Wichtig sei daher das tägliche Sportprogramm zur Vorbeugung gegen Muskelabbau und Osteoporose. 

Ihre aktuelle Aufgabe im ESA-Astronautenzentrum in Köln ist die Leitung des Programms für kommerzielle Frachtflüge. Dazu werden wiederverwendbare Raketen benötigt. 23 europäische Länder sind an der ESA beteiligt. Aber welche Rolle wird Europa in der Zukunft der Raumfahrt spielen? Denn die Raumstation ISS wird zu Ende gehen und private Initiativen und Investoren machen weiter. 

Die ESA setze, so Samantha Cristoforetti, mit neuem Selbstbewusstsein, auch dank eines sehr großen Budgets, auf europäische Autonomie in der Raumfahrt und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA und Asien. Sie betonte die große Bedeutung einer starken europäischen Beteiligung an der Raumfahrt und die Chancen, mit europäischem Know-how eigene Projekte weiterzuentwickeln. Diese Perspektiven bestimmten anschließend die lebhafte und interessierte Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unseres Erzählcafés.