Ein beeindruckender Abend im Gedenken an Dr. Wolfgang Picken
Was hält die Gesellschaft zusammen und was stärkt die Demokratie? Was haben sich Religion und Politik in Bezug auf Werte heute noch zu sagen? Diesen grundlegenden Fragen widmeten sich drei prominente Diskutanten am 2. Juni 2026 im ausgebuchten Bonner Uniclub.
Nathanael Liminski, Prof. Dr. Charlotte Kreuter-Kirchhof und Prof. Dr. Friedrich Graf von Westphalen waren sich einig: Der Demokratie Glauben schenken bedeute, der Demokratie mit ihren Akteuren und Institutionen Vertrauen zu schenken. Dabei sei „der Kompromiss das große Plus der Demokratie“. Damit er gelingt, müsse der offene und öffentliche Diskurs wieder deutlich mehr Raum einnehmen. Jeder könne zudem durch eigenes Engagement vor Ort etwas bewegen.
Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei, betonte, ihm gebe „der Glaube die Gewissheit, als Politiker nicht für die letzten Fragen zuständig zu sein“. Er wolle demokratische Politik so organisieren, dass möglichst viele Menschen frei sein können. Demokratie bedeute, „dass der Einzelne gestalten kann“.
Prof. Dr. Charlotte Kreuter-Kirchhof, Lehrstuhlinhaberin für Deutsches und Ausländisches Öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht an der Juristischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, verwies auf die wachsenden Manipulationen und Echokammern in Sozialen Medien und plädierte für angemessene Regulierungen. Gleichzeitig machte sie Mut, hierbei „das große Friedensprojekt Europa“ als Raum zu nutzen.
Prof. Dr. Friedrich Graf von Westphalen, Rechtswissenschaftler und Rechtsanwalt sowie langjähriger Freund und Wegbegleiter von Wolfgang Picken, nannte den Theologen einen „Charismatiker, der die Welt verbessern wollte“. Picken sei ein „Menschenfischer“ gewesen, der es verstand, mit jedem Menschen auf Augenhöhe zu sprechen. Er habe die Bipolarität von Glauben und politischem Engagement gelebt, dabei aber immer das „Wir“ im Hinterkopf gehabt.
Die lebendige Diskussion auf dem Podium und mit dem Publikum bestätigten den großen Bedarf nach Orientierung in turbulenten Zeiten. Die Bürgerstiftung Bad Godesberg-Rheinviertel und die Bonner Akademie für Forschung und Lehre Praktischer Politik (BAPP) hatten gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Bonn das neue Format entwickelt.
Sowohl Dr. Hanns-Christoph Eiden, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Rheinviertel, als auch Prof. Dr. Stefan Brüggemann, Geschäftsführer der Bonner Akademie, zeigten sich sehr zufrieden über die gelungene Kooperation für diese Veranstaltung. Die Moderation hatte der Journalist Marlon Amoyal (Deutsche Welle) übernommen.
Der Spendenzweck des Abends waren die „Integrierten Hospize“ in zwei Alten- und Pflegeheimen in Bad Godesberg. Dieses Projekt lag Wolfgang Picken besonders am Herzen. Sein Verständnis eines aus dem Glauben erwachsenden gesellschaftlichen Engagements prägt die Stiftungsarbeit bis heute und gibt zugleich allen gesellschaftlichen Akteuren Anlass, in der aktuellen Situation neu über Werte und Orientierung nachzudenken.
Bilder: Volker Lannert/BAPP














