Wie Christine Gödderz Beruf und Berufung in Tansania verbindet
Kaum Material, dafür ganz viel professionelle Fantasie – so beschreibt Christine Gödderz, Mitarbeiterin unseres Beratungs- und Förderdienstes (BuF), was sie seit über zwei Jahren in Tansania erlebt und gestaltet. Die Erzieherin mit Weiterbildung zur Inklusionspädagogin reiste im Sommer 2024 als Volunteer erstmals in das ostafrikanische Land. Heute ist daraus eine tiefe Verbundenheit geworden; beruflich und privat.
Doch zurück zum Anfang: „Ich war in einer Umbruchsphase und wollte etwas Neues ausprobieren“, erinnert sich Christine Gödderz. Dank einer deutschen Agentur wurde sie auf das Projekt „Mountain of Joy Foundation“ in der Stadt Arusha im Nordosten von Tansania aufmerksam. Es handelt sich um ein Heim für Kinder und Jugendliche, spezialisiert auf Autismus und kognitive Beeinträchtigungen. Rund 30 Kinder und Jugendliche leben dort. Der Fokus der Förderung liegt darauf, Life skills („Lebenskompetenzen“) zu vermitteln, sodass sie später möglichst eigenständig leben und ein eigenes Einkommen erzielen können.
Nach sechs Wochen Aufenthalt war klar: „Ich komme wieder, denn das Projekt und die Menschen dort haben mich tief berührt“, so Christine Gödderz. Unter den Kindern und Jugendlichen seien viele Waisen, die aufgrund ihrer Behinderung von den Angehörigen verstoßen wurden. Aber vor allem der Mangel an Therapie habe sie sehr beschäftigt. „Ich mag diese große Herausforderung, und die unglaubliche Lebensfreude trotz widriger Umstände ist einfach ansteckend.“
Seitdem reist Christine Gödderz mehrmals pro Jahr und stets mit neuen Ideen im Gepäck nach Arusha. Zum Beispiel zum Umgang mit Wahrnehmungsstörungen oder zur non-verbalen Kommunikation und Visualisierung von Inhalten, da die Kinder nur Suaheli sprechen. Und immer wieder für Workshops und Aufklärung über Inklusion und Autismus; auch vor örtlichen Politikern. Ganz wichtig dabei sei es, nicht zu belehren, macht Christine Gödderz deutlich. „Wir arbeiten dort als Team immer Hand in Hand und ergänzen uns super.“ Sie haben bereits gemeinsam renoviert, einen „Snoezeling“-Raum eingerichtet und eine neue Tafel für den Klassenraum organisiert.
Ihre vielen Impulse kommen vor allem aus ihrer beruflichen Erfahrung in Bad Godesberg. Die Mitarbeiterinnen des BuF der Bürgerstiftung Rheinviertel begleiten Kita-Kinder mit besonderem Förderungsbedarf und unterstützen die Kita-Teams und Eltern bei allen pädagogischen und therapeutischen Fragen. „Ich kann mein Fachwissen und die Ideen aus unserem Team sehr gut in Tansania einsetzen. Gleichzeitig hilft mir die Kreativität und das Umdenken dort auch sehr bei meiner täglichen Arbeit in Bad Godesberg.“
Arusha bedeutet inzwischen aber noch viel mehr für sie: „Ich habe meine große Liebe gefunden.“ Ihr Lebenspartner ist Tansanier, Lehrer für Englisch und Suaheli und Mitarbeiter des Projekts. Künftig wollen sie möglichst zwischen ihren beiden Heimatländern pendeln.





